Hamburg Juli 2015

Hamburg Juli 2015

Jan 11, Reisen Lea

Der Anlass

Meine Eltern und Großeltern schenkten mir zu meinem 18. Geburtstag eine Karte für das Musical „Disneys Der König der Löwen“ und dazu zwei Übernachtungen im Holiday Inn in Hamburg. Was ich allerdings nicht wusste, war, dass meine ältere Schwester zu ihrem Geburtstag, der zwei Monate vorher war, auch eine Karte und zwei Übernachtungen geschenkt bekommen hatte. Und so kam es, dass wir zusammen mit unserer Mama am 2. Juli mit dem Zug von Eisleben nach Hamburg reisten, oder es zumindest versuchten, dazu gleich mehr. Der Musicalbesuch war am Donnerstag, dem 2. Juli geplant, da die Preise für Karten am Wochenende noch einmal deutlich höher waren. Aber ich will nicht zu viel verraten, alles zu seiner Zeit. Die spannendere Frage ist zunächst: Was musste alles geplant werden, bevor es losging und was muss man bei der Planung als Rollstuhlfahrer besonders beachten?

Blick auf die Hafencity Hamburg

 

Die Planung

Von unserem Heimatort Lutherstadt Eisleben ist Hamburg etwa dreieinhalb Stunden entfernt, eine ganz schöne Strecke. Mit dem Auto wollten wir nicht fahren, da die überwältigende Verkehrssituation in einer Großstadt lange Konzentration während der Autofahrt bedeutet hätte, und das wäre kein entspannter Start in den Urlaub gewesen. Also beschlossen wir die Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzutreten, um den Stressfaktor zu minimieren. Wie das mit der Minimierung des Stressfaktors tatsächlich geklappt hat, dazu komme ich später.

Eine Fahrkarte und den zusätzlich benötigten Mobilitätsservice kann man in einem einzigen Telefonat buchen. Man wählt dazu einfach die Nummer des Mobilitätsservice (0180 6 512 512*) und sagt an, dass man zusätzlich zur Hilfeleistung auch noch eine Fahrkarte buchen möchte. Anschließend lässt man sich und seine Visa Card registrieren, bekommt einen Pin, mit dem man zu späteren Zeitpunkten immer wieder Fahrkarten auf diese Weise buchen kann. Dann wird einem erklärt, wie man die Karten am nächsten Automaten holt. Der Betrag für die Fahrkarten wird nach dem Telefonat von der Visa Card abgebucht. Die Hilfeleistungen des Mobilitätsservices werden aufgelistet und per Mail noch einmal zugestellt.

Achtung: Wir waren drei Personen mit zwei Schwerbehindertenausweisen (100 %), die Begleitperson ist immer frei. Bekanntlich zahlen die eingeschränkte Person und ihre Begleitung nicht in der Regionalbahn, sondern nur im ICE. Fragt beim Telefonatmit dem Mobilitätsservice immer nach Sparangeboten, so konnten wir für 29,00 € pro Fahrt reisen.

Ich informierte mich selbst über die öffentlichen Verkehrsmittel in Hamburg im Internet und befragte zusätzlich eine Freundin, welche Verbindungen in die Innenstadt und zum Theater mit dem Rollstuhl am besten zu bewältigenwären. Für den Freitag, nach unserem Theaterbesuch, planten wir absichtlich nicht wirklich, da wir uns nicht von Anfang an stressen wollten und da es außerdem an dem Wochenende sehr warm werden sollte, was es dann auch wurde. Wir nahmen ausschließlich Rucksäcke oder Handtaschen mit und so konnten meine Mama oder meine Schwester immer die Hände an meinem Rollstuhl haben, wenn wir durch die langen Bahnhofshallen bis zu den Zügen gelangen mussten.

Spulen wir nun vor bis zum Donnerstag, den 02.07.2015. Gegen halb neun morgens stiegen wir ins Auto, holten meine Schwester ab und fuhren zum
Bahnhof, wo die Überraschung auf uns wartete. …

Dieser Bericht ist schwer in die einzelnen Tage des Urlaubs einzuteilen, wie es bei meinen Berichten sonst üblich ist. Aber in diesem kurzen Urlaub gab es einfach so viele Dinge, auf die ich euch aufmerksam machen möchte. Also werde ich den Bericht dieses Mal in Kategorien einteilen.

Zugfahrten und der Transfer mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb Hamburgs

Am Donnerstag, den 02.07.2015, begann unser Kurztrip nach Hamburg. Doch als wir kurz nach neun schon etwa zehn Minuten auf dem Bahnhof verbracht hatten, die große Überraschung: Der Zug nach Halle (Saale), der normalerweise 09:19 Uhr eingetroffen wäre, fiel ersatzlos aus! Das Schlimmste war, dass es dafür noch nicht einmal eine richte Begründung gab, zumindest erfuhren wir keine. Zum Glück wartete Papa mit uns zusammen, zudem hatten wir noch eine Stunde, bis die S-Bahn nach Leipzig fahren würde.

Also wurde wieder alles im Auto verstaut und ab ging es zum Hauptbahnhof in Halle (ca. 40 Minuten). Wir verabschiedeten uns in Halle von Papa und wurden vom Mobilitätsservice zum Bahnsteig geführt, wo die S-Bahn, erstaunlicherweise, nicht groß verspätet abfuhr. In Leipzig angekommen, der Ausstieg funktionierte problemlos, stellten wir fest, dass der ICE nach Hamburg sich etwa 40 Minuten verspätete. Das bedeutete, dass wir nun etwas mehr Zeit auf dem Leipziger Hauptbahnhof überbrücken mussten. Sich hier die Zeit zu vertreiben, ist nicht wirklich schwer. Uns viel allerdings auf, dass man sich bisher nicht mit besonders vielen Hilfestellungen und Informationen um uns bemüht hatte. Derjenige, der uns in Leipzig aus der Regionalbahn geholt hatte, lief zwar neben uns her, half aber weder beim Schieben des Rollstuhls, noch beim Tragen der Sachen. Diese Tatsache ließ große Enttäuschung in mir aufsteigen, da der Service, wenn ich alleine unterwegs war, erheblich besser war. Und da war dann noch die Sache mit dem unbegründet ausgefallenen Zug, die uns immer noch wütend machte. Wenn wir alleine am Bahnhof gewesen wären, hätten wir die ganze Reise nicht machen können, weil wir alle Züge verpasst hätten.

Zum Glück konnte ein Frühstück bei McDonald´s unsere Laune etwas heben. Das Personal vom Mobilitätsservice brachte uns dann später zuverlässig zu unseren Plätzen im ICE. Eigentlich hatte ich einen Rollstuhlplatz im Zug gebucht, doch da Mama auch noch einen freien Platz im Abteil fand, setzte ich mich auf einen Sitz neben meine Schwester und mein Rollstuhl bekam die würdevolle Aufgabe, unsere Sachen zu transportieren. Und so begann die dreistündige Fahrt mit dem ICE, schlafen, lesen und eine kleine Stärkung zwischendurch machten diese sehr angenehm. Nebenbei ist zu bemerken, dass die Toilette im ICE, zumindest für Aktivrollstuhlfahrer sauber und geräumig genug war. Angenehm war auch, dass der ICE diesmal nur 15 Minuten Verspätung hatte, was ja schon fast als normal gilt. Gegen 13:30 Uhr erreichten wir dann unser Ziel.

Die behindertengerechten Toiletten auf dem Hamburger Hauptbahnhof kann man mit dem Euro-Schlüssel öffnen.

Wer mehr über den Euro-Schlüssel erfahren möchte, wer und wo man ihn bekommt, schreibt bitte einfach einen Kommentar.

Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln direkt in Hamburg muss man sagen, dass Hamburg gerade erst anfängt, alle Stationen rollstuhlgerecht umzubauen. Verlassen kann man sich allerdings auf alle Busse, mit denen man auch relativ flexibel ist. Nicht komplett verlassen sollte man sich hingegen auf den Fahrplan für Rollstuhlfahrer für S- und U-Bahn, er stimmt fast aber eben nur fast. Gut ist jedoch, dass in Hamburg viele nette und hilfsbereite Menschen leben, die dich zur Not die Treppen auf- oder abwärts tragen, das sollte aber nicht zur Regel werden. Beruhigend zu wissen ist, dass man nach einem Tag aber in etwa weiß, welche Stationen man als Rollstuhlfahrer benutzen kann, um an bestimmte Orte zu kommen.

Nicht nachzuvollziehen für mich war, dass der Knotenpunkt in Hamburg, die Landungsbrücken, auch nicht über eine barrierefreie Station verfügten.

Wer sich einen Überblick über Hamburgs öffentliches Verkehrsnetz machen möchte, sollte sich den nachfolgenden Link genauer anschauen:

Mobilitätshilfe bei den Hamburger Verkehrsbetrieben

Der letzte erwähnenswerte Punkt zu den Verkehrsmitteln innerhalb Hamburgs ist, dass man sich seine individuellen Strecken im Internet vorher raussuchen kann und sollte, diese kann man dann mit dem Fahrplan für Rollstuhlfahrer abgleichen, meistens sind die gekennzeichneten Stationen ja richtig und somit für Rollstuhlfahrer geeignet.

Zur Rückfahrt möchte ich nicht viel sagen, außer das ausnahmslos jeder Zug Verspätung hatte und der Fahrstuhl in Leipzig defekt war, so dass wir mit dem vielen Gepäck über die Hauptstraße zum nächsten mussten. Die große Frage, die ich mir immer wieder gestellt habe, war: Warum hilft der Mobilitätsservice nur bedingt, wenn man Begleitpersonen dabei hat? Schließlich buche ich
diesen ja nicht umsonst. In Halle (Saale) ließen wir uns dann abholen, weil wir die Nase voll von den vielen Verspätungen hatten.

Das Hotel

Wir waren im Holiday Inn zu Gast, das etwa 20 Minuten vom Zentrum entfernt war.

In den Gängen waren leider die Türen ziemlich schwer und alles war mit Teppich ausgelegt, was das Fahren erschwerte. Ansonsten hatte ich nichts zu
bemängeln und zeige euch nun einfach einige Bilder:

Cola zur Begrüßung erweckt immer einen guten Eindruck!

Unser Bettenlager

Stabiler Duschsitz mit zwei Armstützen, besser als ich es von den meisten Hotels gewöhnt bin.

Gut unterfahrbares Waschbecken

Für den kurzen Aufenthalt von insgesamt zwei Tagen, und dafür, dass wir es fast nur zum Schlafen und Duschen aufsuchten, bewerte ich das Hotel als gut und vollkommen ausreichend. Wenn ihr mit dem E-Rollstuhl anreisen wollt, erkundigt euch jedoch besser vorher noch einmal telefonisch.

Disneys Der König der Löwen im Stage Theater Hamburg

Wenn man es als Rollstuhlfahrer dann mal bis zu den Landungsbrücken geschafft hat, nutzt man die Fähre, welche von der ersten Vorstellung an bis weit nach der letzten zum und von Stage Theater Hamburg fährt. Das Theater ist durch den Löwenkopf nicht schwer zu übersehen. Die Fähre braucht nur etwa drei Minuten, aber Achtung: Die Rampe zur Fähre ist ziemlich steil!

Von der Insel aus wird man als Rollstuhlfahrer vom Personal ins Theater und bis zu seinen Plätzen geführt.

Auf einem „normalen“ Sitzplatz darf man normalerweise nur sitzen, wenn man alleine rein und wieder raus aus dem Saal kommt (laufend). Das ist aus brandschutztechnischen Gründen wichtig. (Hätte man mir das eher gesagt, hätte ich mich vielleicht sogar daran gehalten. Ihr wisst es ja jetzt.)

Ich werde nichts verraten. Nur so viel: Eine vernünftige Karte kostet in etwa 100,00 €, das Stück geht drei Stunden mit einer zwanzigminütigen Pause. Das Musical an sich ist unfassbar bewegend, laut und mit vielen kleinen Schreckmomenten versehen.

Mama, die kein Fan von Musicals ist und sich in letzter Minute eine Restkarte gekauft hat, hätte sich geärgert, wenn sie es nicht getan hätte. Auf dieser Insel kann man außerdem nicht viel anderes tun. Wenn ihr interessiert an Karten für Rollstuhlfahrer seid, schreibt einfach eine Mail an eventim.
Hier geht´s zu den Preisen: Preisliste zum Musical

Blick auf ein wahnsinnig tolles Bühnenbild

Tag 2 + 3 (Hard Rock Café, Hafenrundfahrt und anderes)

Am Tag nach dem Theater begaben wir uns wieder zu den Landungsbrücken, stiegen diesmal aber an einer besseren Station aus. Auch wenn wir uns vorher einmal verfahren hatten, weil wir in die falsche Bahn einstiegen. Bei dem heißen Wetter konnte man nicht viel unternehmen, trotzdem unternahmen wir eine beeindruckende und auch amüsante Hafenrundfahrt (nicht alle sind für Rollstuhlfahrer geeignet, informiert auch Vorort), gingen ins Hard Rock Café, schlenderten durch Hamburgs Innenstadt und seine Einkaufspassagen und aßen mit einer Freundin von mir zu Abend.

Lea war schon in sehr vielen Hard Rock Cafés, dieses gefällt ihr auch von außen.

Am nächsten Tag traten wir nach einem Eis die Heimreise an.

Fazit: Meine Kritik wendet sich weniger an Hamburg, doch viel eher an die öffentlichen Verkehrsmittel und die teilweise nicht vorhandene Barrierefreiheit. Auch der Service lässt hier und da zu wünschen übrig, musste ich leider feststellen. Hamburg würde ich unter anderen Umständen gerne noch einmal länger besuchen. Auch euch würde ich einen Besuch in die Hansestadt und auch ein Besuch des Musicals empfehlen!

 

Bei großer Hitze auf dem Schiff die Elbe entlang

 

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