Inklusion an Schulen

Inklusion an Schulen

Man müsste denken, da ich Rollstuhlfahrer bin, stimme ich der Inklusion zu hundert Prozent zu, aber ganz so ist das nicht. Meine Grundschulzeit verbrachte ich in einer integrativen Grundschule. Dort hatte ich eine gute Zeit, weil ich mit noch sechs anderen nicht der einzige Rollstuhlfahrer war. Mit den Leuten in meiner Klasse habe ich mich sehr gut verstanden und auch mit den Lehrern kam ich gut zurecht.    

Das einzige Problem waren die Einzelfallhelfer, die auch sehr kompetent waren, jedoch waren sie immer bei mir, auch wenn ich sie mal nicht brauchte. Doch sie konnten auch nicht mal für zwei Stunden weggehen, weil ich zum Beispiel beim Toilettengang ihre Hilfe benötigte. Die meiste Zeit langweilten sie sich aber und waren hin und wieder eingeschnappt deswegen.

In der vierten Klasse absolvierte ich in Vorbereitung auf die Mittelschule (5.-10. Klasse) den Aufnahmetest am Elisabeth-Gymnasium in Halle. Der Test ging völlig ungerecht zu, denn ich hatte weder Zeitverlängerung noch weniger Aufgaben, aus diesem Grund habe ich dann auch nicht bestanden. An diesem Beispiel sieht man gut, wie unfähig und unflexibel man damals mit der Eingliederung von Behinderten war.

Da ich nach Klasse vier keine Empfehlung für das Gymnasium bekam, stellte sich die Frage, ob ich nach Benndorf auf eine Gesamtschule in eine große Klasse, aber damals auch mit all meinen Freunden, oder in eine Förderschule nach Halle mit Internat und einer ganz kleinen Klassenstärke gehen sollte.

Meine Eltern und ich entschieden uns dann schweren Herzens für die Förderschule in Halle, mit der Begründung, ich würde es dort während der Pubertät leichter haben. Zuerst dachte ich, ich sei dort völlig falsch, weil alles so einfach war und sich manche meiner Mitschüler echt blöd anstellten. Doch mit der Zeit wurde auch der Stoff schwerer und vor allem habe ich ganz schnell neue Freunde gefunden.

Wir waren in meiner Klasse nie mehr als elf Schüler, was das Lernen einfacher machte. Meine Eltern hatten Recht behalten, als ich in die Pubertät kam, hätte mir keine andere Schule so gut getan, wie diese. Jedenfalls habe ich durch entsprechende Zeitverlängerungen, Aufgabenverminderungen und einer guten Lernatmosphäre einen sehr guten erweiterten Realschulabschluss bekommen können.

Sicherlich hätte ich es auch an einer Schule vor Ort geschafft, dann hätte ich mir das Internat erspart, jedoch war das eine der besten Zeiten in meinem Leben in der ich auch Freunde für´s Leben gefunden habe. Was ich damit sagen will, ich bin natürlich dafür, dass Behinderte in jeder Form integriert werden, aber in den Schulen fehlt es noch an so vielen Dingen, ohne die es einfach nicht funktionieren kann. Ohne genügend Sonderschullehrer, Hilfsmittel, Therapeuten und angepasste Nachteilsausgleiche geht es an einer Regelschule für Schüler mit Einschränkungen nicht. Solange das so ist, verstehe ich es, dass viele Eltern ihre behinderten Kinder auf eine Förderschule schicken, um ihnen die Tortur und die Nachteile an einer Regelschule zu ersparen. Diese Meinung habe ich aber nur, wenn es um die Klassen eins bis zehn geht.

Wenn man ein Abitur oder eine Fachhochschulreife anstrebt, dann sollte man sich auch in einer normalen Klasse behaupten können. Ich finde es nämlich nicht gut, dass immer auch die Schüler versetzt werden, die es eigentlich nicht verdient haben.

Kurz und knapp heißt das, ja ich bin für Inklusion, vor allem auch dann, wenn es nicht um Schule geht, aber es muss noch viel dafür getan werden. Solange das System noch nicht perfektioniert ist, bin ich auch gegen Sonderschulen nicht abgeneigt. Ich finde es gut, wenn man beide Systeme mal durchlebt hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.